Geschichte

1908 – 1934

Wie kaum über eine andere Hunsrücker Gemeinde ist über die Entstehungs- und Anfangsjahre Emmelshausens viel berichtet und erhalten worden. Kein Wunder, die Gründung liegt gerade einmal 75 Jahre zurück.

Viele Quellen zeugen von der rasanten Entwicklung der einstigen Siedlung am Bahnhof, die sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem Handels – und Dienstleistungszentrum im vorderen Hunsrück entwickelte, heute der Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde ist und im letzten Jahr als Krönung einer beispiellosen Entwicklung die Rechte zugeschrieben bekam, sich fortan die jüngste Stadt des Rhein-Hunsrück-Kreises zu nennen zu dürfen.

Das mittelalterliche Emmelshusen und die Bahnhofssiedlung von 1906 bis 1935

Bis vor wenigen Jahren datierten Chronisten die älteste Urkunde, in der ein Ort namens „Emmelsusen“ genannt wird, auf das Jahr 1379. Es soll sich zur Zeit der Auseinandersetzung um die Territorialherrschaft im Gallscheider Gericht um eine Siedlung gehandelt haben, die um den „Emmelser Bor“ („bor“= „Brunnen“) an etwas anderer Stelle als die spätere Ansiedlung gewesen sein soll. Inzwischen ist eine Urkunde vom 22. Januar 1315 wohl der älteste Nachweis für den Ort Emmelshausen. Danach verkaufte ein Hartung genannt von „Emilhusin“ – also aus Emmelshausen stammend – einen Weingarten an das Zisterzienser-Kloster Eberbach.
Die älteste Urkunde, in der ein Ort namens „Emmelsusen“ genannt wird, stammt aus dem Jahr 1349. Es soll sich um eine Siedlung gehandelt haben, die um den „Emmelser Bor“ („bor“= „Brunnen“) an etwas anderer Stelle als die spätere Ansiedlung gewesen sein soll.

Doch irgendwann – vermutlich im 16. oder 17. Jahrhundert – verschwand der Ort wieder. Warum, ist nicht geklärt. Höchstens die ein oder andere sagenhafte Erzählung, wie die von der „Lies“ und der „Bas“, versuchen das Verschwinden zu erklären.

Bis ins 20. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Emmelshausens nichts weiter als ein Kreuzungsgebiet der wichtigen Straßen zwischen Boppard und Simmern sowie zwischen St. Goar und Brodenbach. Doch große Veränderungen standen bevor, nicht nur für dieses ungenutzte und wertlose Gebiet inmitten kleiner Dörfer, sondern Veränderungen, die den gesamten Hunsrück betrafen und die eine neue Ära einläuteten.
Anfang 1900 war eine Eisenbahnstrecke zwischen Boppard und Kastellaun in Planung. Als sich keines der umliegenden Dörfer bereit erklärte, Land für den Bau eines Bahnhofs abzugeben, entschied man sich dafür, den neuen Bahnhof auf ein ohnehin ungenutztes Gelände zwischen diesen Dörfern zu legen.

Was kurz darauf als Bahnhofssiedlung und wesentlich später als „Emmelshausen“ bekannt war, nannte man in diesen Jahren die „Galgenhöhe“. Ob der Name auf die zahlreichen Mineralquellen („Galges“ = „Wasser“) in der Umgebung zurückzuführen ist oder ob auf dieser Höhe tatsächlich der Galgen des Gallscheider Gerichtes stand, ist nicht eindeutig geklärt.

1906 begann der Bau der Linie und des Bahnhofs. Zwei Jahre später, am 2. August 1908, fuhr der erste planmäßige Zug auf einer Strecke, die bis heute eine der steilsten Deutschlands ist.

Dies bedeutete einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte des Vorderhunsrücks. Der neue Bahnhof entwickelte sich zu einer Art Keimzelle, um die sich Handwerk, Handel und Dienstleistungsunternehmen ansiedelten.

Dieser Wandel, der sich innerhalb einiger weniger Jahre anbahnte, eröffnete für die Menschen im Vorderhunsrück viele neue Perspektiven.

Bis zu diesem Zeitpunkt mussten die Landwirte der Hunsrückdörfer oft lange Strecken bis an den Rhein zurücklegen, um in Boppard durch Handel mit Eiern, Butter oder Brot dazuzuverdienen. Jetzt bot sich ihnen die Möglichkeit, viel einfacher nach Boppard zu gelangen um dort zu verkaufen. Es begann auch die Zeit der Händler und Hausierer, die ganze Dörfer abklapperten und Wolle oder Textilien verkauften. Durch die neue Zugverbindung konnte sie den Einzugsbereich ihres Handels bis in den Großraum Köln, das Ruhr- und das Rhein-Main-Gebiet ausdehnen und viele neue Kunden gewinnen.

Einer der ersten Einwohner der Siedlung am Bahnhof war Peter Pies, ein Knochenheilpraktiker, der landläufig als „Knochenflicker“ bekannt war. Er erbaute 1908 das heutige Hotel Waldfrieden in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof.

Anlässlich des 100. Geburtstags der Hunsrückbahn wurde ihm zu Ehren und stellvertretend für die ersten Bewohner, die für die Anfänge und die Siedlungsgeschichte der Gemeinde mitverantwortlich waren, eine Bronzefigur zwischen Hotel und Bahnhof feierlich enthüllt.

Der Handels – und Gewerbepunkt am Bahnhof wuchs und wuchs. Von besonderer Bedeutung war das Baugewerbe, in dem in den Anfangsjahren viele Vorderhunsrücker Arbeit fanden. Auch ungelernte Landwirte konnten sich dort etwas zu ihrem oft schwachen Einkommen hinzuverdienen.

Immer mehr Geschäfte und Betriebe, wie zum Beispiel die Baustoffhandlung des Müllers Peter Vogt, das Versandhaus des Düsseldorfer Unternehmers Dr. Albin Leuthäuser oder die Stickerei Kann & Marx hatten ein starkes Wachstum von Arbeitsplätzen zur Folge und so gab es schon wenige Jahre nach dem Bahnhofsbau viele Pendler aus umliegenden Dörfern.

Zu dieser Zeit – im Jahr 1929 – wurde auch die landwirtschaftliche Schule gebaut, die in den folgenden Jahren nachhaltig zur Entwicklung der Gemeinde beitrug.
Nicht nur als Handels- und Gewerbeort – auch als Siedlung wurde die Bahnhofsgegend immer attraktiver. Lebten 1920 nur 26 Menschen am Bahnhof, so waren es acht Jahre später 100 und im Gründungsjahr der neuen Gemeinde Emmelshausen 1935 bereits 280.

Das rasche Wachstum der Siedlung brachte jedoch auch viele Komplikationen mit sich. Denn noch wurde sie von den drei Gemeinden Basselscheid, Dörth und Halsenbach gemeinsam verwaltet. Bürger gingen – je nachdem zu welchem Amt sie gehörten – entweder in dieses oder jenes Dorf in die Kirche oder zur Schule. Im Laufe der Jahre kam es immer häufiger zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gemeinden, vor allem wenn es um Gemeinschaftsanlagen wie Wege, Wasser oder die Straßenbeleuchtung ging. Und tatsächlich brachte eine scheinbar harmlose Debatte über eine einzelne Straßenlaterne das Fass zum überlaufen. Spätestens jetzt war allen Beteiligten klar, dass es so nicht weitergehen konnte, dass eine Gemeindeneubildung unumgänglich war. Schließlich wuchs die Bahnhofssiedlung immer weiter.

Erste Verhandlungen über eine eventuelle Vereinigung der neuen Ansiedlung mit einer der umliegenden Gemeinden waren im Jahr 1927. Sie sollten sich noch über Jahre ziehen.

Erst 1931 wurde ein nächster wichtiger Schritt unternommen: Basselscheid stimmte im März einer Zusammenlegung des Dorfes mit dem Gebiet Bahnhof und den Liesenfelder Nachbarn zu. Letzteren kam die Zustimmung Basselscheids gerade recht. Liesenfeld gehörte in dieser Zeit zur Amtsbürgermeisterei Brodenbach-Obergondershausen. Um ins Amt Halsenbach eingemeindet zu werden und somit nicht mehr so weite Strecken zurücklegen zu müssen, freundeten sich die Bewohner selbst mit dem Gedanken an, sich mit Basselscheid und der Bahnhofssiedlung zusammenzuschließen.

Die Verhandlungen liefen indes weiter. Dörth und Halsenbach waren inzwischen mit der Abtrennung ihrer Flächenanteile einverstanden und schließlich konnte auch die Frage des Mitgifts oder der „Anschubfinanzierung“ – wie man heute sagen würde – gelöst werden.
Derweil begann bereits die Suche nach einem passenden Namen für die neue Gemeinde. Der Vorschlag „Liesenfeld“ – schließlich sei dieses Dorf der größte der drei zukünftigen Ortsteile – wurde ebenso schnell verworfen wie die Vorschläge „Galgenhöhe“, „Gallscheid“ oder „Turnerhöhe“ (nach dem damaligen Regierungspräsidenten Turner).

Ein Lehrer namens Valerius wurde mit der weiteren Suche nach einem passenden Namen beauftragt. Bei Nachforschungen stieß er auf jene sagenumwobene Siedlung, die im Mittelalter unweit der jetzigen gewesen sein soll. Aus „Emmelshusen“ wurde modernisiert „Emmelshausen“ und somit bekam die noch nicht einmal gegründete Gemeinde einen geschichtsträchtigen Namen.

Nach mehreren Jahren der Verhandlungen und Bürgerversammlungen erklärte sich das preußische Innenministerium zu einer Zusammenlegung der drei Nachbarn bereit. Wichtig waren nun noch die Grenzziehungen zu Halsenbach und Dörth, bei denen es seinerzeit ein Ringen um jeden Hektar gab. Emmelshausens Grenzen sollten recht eng gehalten werden, damit die Gemeinde besser zusammenwüchse. Außerdem musste die Gemeinde schon bald Bebauungspläne vorlegen, die durch Baugebiete Liesenfeld und Basselscheid stärker mit der Bahnhofsgegend verbinden sollten.

Am 15. Juli 1935 erschien im Amtsblatt der preußischen Regierung in Koblenz die Verkündung der offiziellen Gemeindegründung, die in der Landwirtschaftsschule am 17. Juli 1935 gefeiert wurde.